Fußball

BVB nimmt emotional AbschiedUmstrittener Eintracht-Coach Riera hält große Rede für sich selbst

09.05.2026, 07:35 Uhr fittosize-400-0-149-149-e49f8e0aa7094c6b5fc8fbe81330cb04-tobias-nordmann-300pxVon Tobias Nordmann
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Albert Riera darf Eintracht Frankfurt auch noch ins letzte Saisonspiel gegen den VfB Stuttgart führen. (Foto: IMAGO/STEINSIEK.CH)

Borussia Dortmund feiert die Vizemeisterschaft an einem Abend der großen Gefühle. Bei Gegner Eintracht Frankfurt spitzt sich die sportliche Lage zu. Der umstrittene Trainer darf dennoch bleiben.

Die Nachricht, die sehr viele Menschen erwartet hatten, blieb aus. Eintracht Frankfurt trennt sich nicht vorzeitig von Trainer Albert Riera. Trotz der 2:3-Niederlage bei Borussia Dortmund zum Auftakt des 33. Spieltags darf der umstrittene Spanier weitermachen. Zumindest darf er die Saison noch zu Ende bringen. Die könnte, je nach Form und Ergebnis des glücksbesoffenen SC Freiburg, im finalen Showdown noch in die Europapokal führen. Das wäre wohl die Mindestvoraussetzung dafür, dass dem Coach nicht das Blitz-Aus droht.

Letzter Gegner der Frankfurter ist am nächsten Samstag der VfB Stuttgart. Es könnte auch der letzte Gegner für Riera sein, der die Eintracht im Februar von Dino Toppmöller übernommen hatte. Schlagzeilen schrieb er danach reichlich, von sportlichen Erfolgen handelten sie eher selten. Aus 13 Spielen holte er nur 1,23 Punkte im Schnitt. Die Pleite in Dortmund war bereits die dritte in den vergangenen vier sieglosen Partien. Für die großen Ambitionen des Klubs ist das zu wenig, für die knackigen Ansagen des Trainers sowieso. Vorerst machen die Frankfurter nun weiter. Was würde eine Ein-Spiel-Lösung auch bringen?

Flammendes Plädoyer für sich selbst

"Wir haben jetzt heute das Spiel verloren und das ist natürlich extrem ärgerlich. Und jetzt geht es darum, dass wir alle gerade zusammen ein Spiel gegen Stuttgart gewinnen", sagte Eintracht-Sportvorstand Markus Krösche zur aktuellen Situation. Zur weiteren Zukunft des Spaniers wollte er sich nicht äußern. Das übernahm Riera selbst, als Plädoyer für sich selbst: "Meine Spieler werden bis zu meinem letzten Tag hier alles geben, mehr als hundert Prozent, das kann ich versprechen", sagte er bei Sky. Das Problem sei nicht das Spiel an diesem Freitagabend in Dortmund gewesen. "Man braucht Zeit, drei Monate sind eigentlich zu wenig."

Den Kredit bei den Fans hat der Exzentriker längst verspielt. Eine HR-Umfrage vor dem Spieltag offenbarte ziemlich gut, wie es um Riera steht: Knapp 92 Prozent der Befragten wollen einen Rauswurf des 44-Jährigen

"Ich weiß, wie man das macht"

In der Pressekonferenz konnte der Trainer das Thema nicht abschütteln und wieder warb er für sich und seine Arbeit: "Das ist nicht meine Entscheidung, sondern die des Vereins." Er könne nur die Mannschaft beeinflussen und sich darauf konzentrieren. "Der Rest liegt nicht in meiner Hand. Aber ich habe das Gefühl, dass, wenn ich Zeit habe, es bei mir immer so war, dass nach drei oder vier Monaten der beste Moment kam. Ich brauche Vertrauen, ich brauche Zeit und dass wir alle an einem Strang ziehen. Wenn ich die Zeit habe, werde ich diese Mannschaft weiter verbessern, denn ich weiß, wie man das macht. Wenn ich die Zeit nicht habe, kann ich nur versuchen, in jedem einzelnen Spiel das Beste aus uns allen herauszuholen."

Er wisse aber auch, dass es im Fußball nicht immer Zeit gebe, erklärte Riera und schloss mit den Worten: "Ich persönlich fühle mich sehr stark und blicke optimistisch in die Zukunft, um diese Situation zu lösen und viele Leistungen wie heute zu zeigen." Die Leistung seines Teams war durchaus vielversprechend gewesen. Can Uzun (2.) schoss Frankfurt kurz nach dem Anpfiff in Führung, doch ein Doppelschlag vor der Pause durch Serhou Guirassy (42.) und Nico Schlotterbeck (45.+1) leitete die nächste Niederlage der Frankfurter ein. Während der BVB die Vizemeisterschaft durch Samuele Inacios ersten Bundesligatreffer (72.) absicherte und Nationalspieler Felix Nmecha nach siebenwöchiger Verletzungspause sein Comeback gab, stand Riera teils fassungslos, teils hadernd in seiner Coachingzone. Erstmals seit fünf Jahren könnte die SGE das internationale Geschäft verpassen. Der Anschlusstreffer durch Jonathan Burkardt (87.) kam zu spät.

Lange Liste an Verfehlungen

Das mit dem einheitlichen Strangziehen hatte bisher wenig bis gar nicht funktioniert. Dem extrovertierten Trainer werden aber nicht nur die sportlichen Missstände angekreidet, sondern auch menschliche Fehler im Umgang mit der Mannschaft. Das Verhältnis zwischen Riera und Führungsspielern wie Mario Götze, Jonathan Burkardt, Robin Koch oder Ritsu Doan wird als äußerst distanziert wahrgenommen. Auch mit den Fans hat es sich der Fußball-Lehrer aufgrund seiner Auftritte verscherzt. In Frankfurt soll Riera, so berichteten es die "Bild" und die "Frankfurter Rundschau", hinter vorgehaltener Hand schon als "Bundesliga-Trump" bezeichnet werden.

Während Riera noch kämpft, vermutlich vergeblich, sind die Dinge in Dortmund viel klarer. Mit Trainer Niko Kovac geht es (natürlich) weiter, die Vizemeisterschaft ist nun offiziell. Und mit Julian Brandt, Niklas Süle, Salih Özcan und Sebastian Kehl wurden vier Abschiede gefeiert. Teilweise sehr emotional. Besonders für Süle, der zum 300. Mal Bundesliga spielte und der seine unerfüllte Karriere in diesem Sommer beenden wird.

Trainer Niko Kovac wollte sein Abschieds-Versprechen an den Innenverteidiger unbedingt halten - also sprach er sich kurzerhand mit Schiedsrichter Patrick Ittrich ab. "Pass auf: Du darfst nicht abpfeifen, bevor ich den Niki nicht gebracht habe", habe der Trainer von Borussia Dortmund dem Unparteiischen am Tag vor dem Spiel gesagt. Und der Plan ging auf: Der Niki, gemeint ist Niklas Süle, kam in seinem letzten Heimspiel für den BVB ab der 88. Minute nochmals zum Einsatz. "Es waren fünf, sechs Minuten. Hat er sich verdient", sagte Kovac über den 30-Jährigen, der im Sommer seine Laufbahn beendet: "Er hat eine tolle Karriere hingelegt. Ich wünsche ihm in seinem Ruhestand alles Gute, er wird viel golfen und wahrscheinlich die Welt bereisen."

Kovac hat Vorahnung zu Brandt-Zukunft

Der frühere Nationalspieler Süle hatte am Donnerstag sein nahendes Karriereende verkündet. Sein Vertrag läuft aus. "Ich bin unfassbar froh um den Rahmen", sagte der Verteidiger im Sky-Interview: "Schöner Tag, schöner Rahmen, schön, wie die Fans reagiert haben. Schön, dass der Trainer mir noch ein paar Minuten gegeben hat, mein 300. Spiel. Unfassbar schön, meine ganze Familie war hier. "Während Süle Privatier wird, ist die nächste Station von Brandt offen. "Es gibt noch nichts zu verraten. Aber ich habe riesige Vorfreude. "Ich bin nach wie vor sehr ambitioniert. Ich habe viele gute Ideen, viele Gedanken, aber es ist am Ende immer die Frage, was ist umsetzbar und vor allem, was macht auch Sinn", sagte der 30-Jährige, der seit 2019 beim BVB spielte. "Am Ende soll es auch darum gehen, diese Sportart zu genießen und Spaß zu haben. Das ist für mich das Wichtigste."

Sein Noch-Trainer Niko Kovac hat indes neben vielen lobenden Worten für den gebürtigen Bremer auch schon eine leichte Vorahnung: "Er wird sicherlich die richtige Entscheidung treffen. Ich habe da schon eine Vorahnung, aber ich weiß es nicht hundertprozentig. Ich denke, das wird eine gute Lösung. In Deutschland gibt es nicht mehr allzuviele Gute, die er jetzt bespielen kann", sagte der 54-Jährige.

Quelle: ntv.de, mit dpa/sid

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